Zeichenkette

We

there is too much of havent.
When we get there of wasnt

It all ruled this world:

How?

We?

 

Lichtung

Ein Alter, in dem die Erinnerung
vielleicht sowas wie ein Waldstück ist
und allmählich sich dort nicht mehr
Neues Grün einlichtet.
Sowas atmest Du und willst es Erholung nennen.
Zwischen den morschen Akkorden,
die Dein Gang den Pfad herunter spielt
hörst Du die ferne Autobahn
als Meer, das auch nach Dir ist.
Aber interessiert Dich das?

Someone for zeroing I

An jedem Rausch abstützen
um sich an die Erde zu hieven:

aller Geschichten Boden
legt Dir niemandes Keime

Du bist ihr nie entkommen
noch hat sich dich beerdigt.

 

Fall

Du bist Dein Wort noch nicht Wert.
Die Schönheit einer Bewegung:
Wie man Schande mit dem Kopf zeichnet —

Gib zu
niemand barg uns die Knochen
Durch unsere Abschiede

verschmerzen wir nicht.

Preisred. Mängel-Exemplar

Ein Spaziergang löscht nicht aus. Kein zurück auf Los. Nichts will ihn halten lassen oder fallen. Zunächst trinkt er einen Kaffee, dann ein koffeinhaltiges Heißgetränk, dann ein heißes Getränk, dann trinkt er etwas, dann tut er etwas. Er sieht ein Schild, das nichts mehr zeigt.

Der volle Aschenbecher erinnert sich daran, viel manierierter zu sein als voll.

Allerzeiten

Am Schwarzen Brett reißt ein Student einen Telefonnummerschnipsel eines Zimmer-Frei-Zettels ab. K. liest eine Seite einer studentischen Hausarbeit. S. telefoniert mit einem Kollegen. G. liest eine Seite einer studentischen Hausarbeit. B. chattet mit einem Kollegen. K. liest eine Seite einer studentischen Hausarbeit, schaut aus dem Fenster, dann wieder auf den Bildschirm.
Eine Wolke schiebt sich vor die Sonne.
K. liest die Seite eines interessanten relevanten Artikels.
Man hört einen langen Güterzug in der Nähe vorbeirauschen.
K. liest eine Seite einer studentischen Hausarbeit. Ein beliebiger Doktorand verteidigt mit summa cum laude. G. muss kurz husten.
K. macht einen Witz. G. erhält eine Mail von S. bzgl. Terminabsprache. Ein langer Güterzug rauscht in der Nähe vorbei.
Ein beliebiger Mitarbeiter ausser K. klopft an die Tür einen Büros eines weiteren beliebigen Mitarbeiters und fragt, ob sie in die Mittagspause gehen sollen.
K. stellt sich eine Kichererbsensuppe auf das Tablett. S. stellt sich den Fisch mit Beilage auf das Tablett. K. stellt sich den Fisch mit Beilage auf das Tablett. S. stellt sich die Kichererbsensuppe auf das Tablett und nimmt sich ein Dessert. G. stellt sich das gratinierte Kartoffelgericht auf das Tablett, nimmt sich aber kein Dessert. S. macht einen Witz.
Eine Wolke gibt die Sonne frei, während der Mitarbeiter eines Kurierdienstes mit einem Paket unter dem Arm einen beliebigen Institutsangestellten sucht, den keiner der gefragten Personen (M./S./S./G.) kennt.
S. erhält eine Mail von G. bzgl. Terminabsprache. Auf dem Weg zur Toilette trifft B. einen Studenten, beide grüßen sich freundlich.
Ein beliebiger Doktorand glaubt an die Relevanz seines Forschungsthemas. M. moniert die Lautstärke der nahen Baustelle. G. liest eine Seite eines interessanten relevanten Artikels. P. hustet kurz. Ein beliebiger Doktorand verteidigt mit summa cum laude. Jeder Mitarbeiter erhält eine Rundmail mit Bezug zur Planung des nächsten Semesters. W. raucht eine Zigarette vor dem Institutsgebäude. Eine Wolke schiebt sich langsam vor die Sonne. S. und G. besprechen eine Zeile Programmcode. U. macht sich einen Tee (Ceylon). G. macht sich einen Tee (Früchte). M. sucht nach einer Teesorte, nimmt dann aber einen Kaffee (Milch u. Zucker). Auf dem nahe gelegenen Bahnhof fährt ein Güterzug durch. U. macht einen Witz, während er ein Paket öffnet, das er eben aus dem Sekretariat geholt hat, das dort ein Kurierdienstangestellter abgegeben hat.
Jeder Mitarbeiter erhält eine Rundmail mit Bezug zur Abwicklung einer Reisekostenrückerstattung. Ein Student steht am Schwarzen Brett und liest einen Zimmer-Frei-Zettel. B. telefoniert kurz mit einem Kollegen.
K. und G. lesen jeweils eine Seite einer nicht identischen studentischen Hausarbeit; es ist aber derselbe Verfasser, was K. und G. freilich nicht bewusst ist. M. trifft einen Studenten, als er zur Toilette geht. Ein Angestellter eines Kurierdienstes verlässt mit einem Paket unter dem Arm und einer geschäftigen Miene den Fahrstuhl im 3. Stock. P. liest eine Seite eines interessanten Artikels, schaut vom Ausdruck auf, betrachtet vom Fenster aus die nahe gelegene Baustelle und moniert B. gegenüber deren Lärm. Während K. die fünfte Seite von insgesamt zwölf einer studentischen Hausarbeit liest, glaubt ein beliebiger Doktorand an die Relevanz seines Forschungsthemas. Ein sehr langer Güterzug fährt in der Nähe vorbei und sein Rauschen erinnert einen beliebigen Mitarbeiter an das eines Meeres, der Mitarbeiter denkt auch daran, dass es das immer tun wird.

E. B. K.*2 G. S.*2 P.*2 M. U.

Zellkunde

Ich ist vererdet
und legt sich zwischen all die Wurzeln
die nie Baum spielen werden und uns nur
beim Stolpern helfen.

worüber denkst Du nach
wenn ein Wort wie „wesentlich“
Dir schon Haut und Lunge trägt
durch eine Unzeit mit Farn und Wolke?

Weiter

Es geht immer irgendwie weiter hört man sich selbst und die anderen sagen. Ob das so gut ist? Auf die Welt selbst bezogen beruhigt mich dieser Umstand zumindest. Dieser Versuch, den man Leben nennt, dieser schenkende Räuber. Darüber kann man albern werden und sich die dennoch nicht ganz unsinnige Frage stellen, ob es iterativ oder rekursiv ist.

Schritte zurück gehe ich nicht rückwärts um nicht hinzufallen, ist das klar?

Vielleicht bist Du damals wach geworden. Ein Traum kann es auch gewesen sein. Du lagst auf der Couch, und um Dich herum ein noch nicht eingerichtetes Zimmer mit einem fremden Geruch, in den Du noch nicht geschrieben warst. Es ist still bis auf das ruhige Atmen des Mannes, der auf den Tag, die Stunde, Minute und Sekunde genau Deine Lebenszeit älter ist als Du. Seitdem teilt ihr eure Zeit. Der Mann liegt ebenfalls auf einer Couch gegenüber von Dir und schläft. Seit vielen Jahren kann er Dir auf Deinem Weg nicht mehr helfen, aber er versucht es mit Kräften und das rührt Dich an.

Herzlichen Glückwunsch, Du bist jetzt Student.

Was Du nicht träumst.

Morgen wirst Du Dich den anderen vorstellen, und Du wirst wie immer keinen Schimmer davon haben, was Du sagen kannst, um das Richtige zu sagen; eine Sache, die nie an Brutalität verloren hat, seitdem Du durch die irgendwie immer gleichartigen Institutionen mit Gruppen von Gleichaltrigen geschleust wirst, die Dich eigentlich nicht interessieren. So gar nicht. Im Kindergarten sagte Dir die alte Frau mit der dicken Brille, Du könntest nicht spielen wie die anderen. In der Grundschule sagte Dir eine andere alte Frau mit einer dicken Brille, dass Du Dich eingliedern sollst, weil das alle anderen doch auch so gut hinbekämen. Und auf dem Gymnasium brachte man Dir endlich bei, dass Du nicht dazugehörst und Dich auch nicht eingliedern können wirst, weil Deine Eltern Arbeiter sind. Versuchen kannst Du es ja.
Je weiter Du die Leiter in der Bildungsfabrik nach oben stiegst, desto mehr hattest Du den Eindruck, Dein Stallgeruch würde Dich früher oder später verraten. Interessanterweise hattest Du nie den Eindruck, dass Du durch Fleiß und gute Noten diesen Eindruck verlieren konntest, da um Dich herum der verzerrte Eindruck entstand, exzellente Noten seien Produkt einer Art Seilschaft aus gebildeten Familien und Du Dir vorkamst, wie die Krankheitsvertretung von Sisyphos. Die stete Versicherung, etwas Besonderes zu sein – der Kommentar von Leuten, die etwas in Dir sehen, Dich aber trotzdem nicht verstehen, brachte Dir keinen Mut, sondern frustrierte Dich nur noch mehr.

Du wirst Dich den anderen vorstellen und vermutlich wird man Dich arrogant finden, weil Du nur bemühtes Interesse an Deinen Mitmenschen zeigst. Relativ schnell wirst Du vermutlich auch die Lehrinhalte langweilig finden, weil sie Dich nicht weiterbringen und Du wirst wie immer den Fehler begehen, die Grundlagen schleifen zu lassen, weil Dir zunächst alles zu langsam geht und dann plötzlich zuviel ist auf einmal, und Du wirst Dich über die Wiederholung Deiner Fehler ärgern und für alle anderen wird sich über Dich der Nimbus totaler Mittelmäßigkeit legen und in Dir wird wieder der Grundschüler weinend nach Hause rennen, der sich mit seiner Religionslehrerin über Evolutionslehre stritt und dem der Mund verboten wurde.

Herzlichen Glückwunsch.

Ziegel

Die Brüstung des Balkons ist warm von der Sonne, die den Tag über schien. Hier ist Stadt, und von irgendwoher riecht es nach nassem Beton. Für einen Moment hilfst Du Deinem Vater die Wand zu Deinem Kinderzimmer mauern, Deine kleinen Hände sammeln ein Spiel zwischen Mörtel und Ziegel, und Schlamm und Staub an Deinen Armen sind grauer Reptilienpanzer, Brontosaurus, Stegosaurus, Triceratops, Iguanodon, und an der Brüstung sammelt sie sich mit ihren Haaren, die sie hinter ihren Blick knetet um eine Zigarette zu drehen, und leider habt ihr keine Geschichte, und immer noch suchst du die Sprache, die ihr Dich denken lässt, wenn sie zuhause auf ihr Telefon schaut, und sie könnte bald weitergezogen sein, ist weitergezogen; dann sind da noch die paar Sätze von euch als Ziegel zwischen Farn und Reptilien.

Murakami

Tatsächlich beginnt auch der Regen und mengt sich unter die Luft als mein Körper sich eine Qual überlegt, die er mir gegen die Strecke schicken will wie einen Fangschuss von jenseits der Böschung her; ich würde gerne denken, er lege sich wie die Füssli-Nachtmahr auf mich, aber leider brutalt er nur aus meinen Beinen wie ein Besoffener, der sich überall stößt, und über eine weite, eine sehr weite Strecke hin denke ich  — nichts………………………..

[Im Gegensatz zum Yoga, bei dem mich fast immer der Alltag, statt mich zu verlassen, als eine Meute Untoter verfolgt, während ich mich um eine Asana bemühe, mich immer noch einholt und zerlegt, frisst, mit meinen Knochen untereinander streitet, vergesse ich beim Laufen und der Anstrengung, die aus der Vergänglichkeit meines Körpers tritt, die Vergänglichkeit meines Körpers.]

Als ich durchs Ziel laufe und zum Stehen komme, kann ich kurz lächeln. Ein erster Juni regnet schwer weiter, jemand sagt über Lautsprecher durch, dass ich das Ziel passiert habe. Unmittelbar danach gewinnt mein Körper die Oberhand und bestraft mich für die letzten fast fünf Stunden Blödsinn. Es braucht eine Zeit, bis ich wieder gehen kann. Ein Mann verteilt Folie zum Wärmen. Ich nehme ein Stück und knote es mir wie ein Cape um die Schultern. Die Albernheit hat mich noch nicht verlassen. Ein Mann fotografiert mich und möchte wissen, ob der Regen gut oder schlecht für mich gewesen sei. Ich weiß nicht mehr, was ich antworte. Als ich den Kopf hebe, sehe ich eine riesige Schlange aus Menschen und Lametta sich aus dem Stadion in Richtung der Zelte bewegen.  Gegen Abend treffe ich mich mit meiner Begleitung in einem Restaurant. Ob es so etwas wie ein runner’s high für mich gäbe, fragt sie mich. Ich muss über die Frage eine Zeit nachdenken. Nein, gebe ich schließlich zu verstehen. Es ist noch nicht einmal das, was Murakami als runner’s blue bezeichnet hat. Es ist vielleicht einfach das Gefühl, welches mich seit Jahrzehnten beherrscht, wenn ich eine Hürde gemeistert habe: So fucking what?

This is not for you

Vielleicht sehe ich Dich die Straße entlanggehen. Oder laufen. Das wird an Dir liegen. Dein Ausdruck wird leicht gelangweilt sein, wenn Du gehst, oder etwas weltgereizt, wenn Du läufst, und in Deinem Gesicht, an der Braue, zwischen Deinen Händen möchte ich nicht geführte Unterhaltung finden wollen, das alles eine Ablenkung lang gedacht von der Ablenkung, einen Schmerz zu finden, der mehr ist als Zerfall eigener Körper.

Soweit für den März

Einem Mann fällt sein Regenschirm gegen mein Knie, als er sich in der S-Bahn vor mich setzt. Er entschuldigt sich freundlich. Eine Frau sitzt daneben und starrt ins Leere. Sie erinnert mich an jemanden, aber ich kann nicht sagen, wer. Der Mann liest Zeitung. Er hat die schöne Frau abgelöst, die dort vor ihm saß und auch Zeitung las. Ihre Jeans hatte am Knie ein Loch, durch das sie einen Ausschnitt ihrer Haut zeigte. Sie war die Sorte Mensch, über dessen möglichen Charakter ich mir kein Urteil erlauben mag, weil seine Attraktivität mich befangen macht.
Noch immer fällt Schnee und die Züge beginnen ihre Unpünktlichkeit.

Es ist

Die Luft nicht damit zu schrecken
weil ich sie atme.
Hinter mir schließ ich leise
die Türen
dass ihre Töne keinen Anklang finden
am Schwinden meiner Schritte.

Beim Tragen einer Cordjacke

Halblicht macht das Sammelsurium aus Blattsorten leuchten, das drapiert auf den Rücken verschlafener Autos liegt oder um meine Füße als Schnittwerk des unbekannten Friseurs. Halbschlaf macht sich dazwischen auf den Weg. Kindergummistiefel zwacken ihre Komplementärfarben durch die kleinen Hügel botanischen Jahresendes. Was ausnahmsweise einmal beruhigt: Durch so viele andere Augen ging das schon, wurde besprochen, bekam Ölfarbe und Text, doch blieb niemandes Sprache an dem einzigen Rotbraun  hängen, das in diesem Moment der eigene Schritt stört.