Camel

von zeichenkette

Das Traurige an schmutzigen Schulranzen. Ein Gedanke, auf den Du* mich bringst, während wir auf dem Nachhauseweg sind. Es ist nicht der Schmutz oder der Schulranzen. Wie bei allem ist es das Zusammenspiel, da das Einzelne selten zählen kann. Und hier ist es das der entgegengesetzten Konnotationen gelieferter Bilder – oder vielmehr das Bemühte der grellen Konnotation, etwas zu vermitteln, das gegen so etwas Banales wie den Alltag niemals Bestand haben kann. Bis heute bin ich beeindruckt von der Deutlichkeit, mit der das Gefühl der Trauer über eine ziellose Farbe zutage tritt; gerne an Bushaltestellen oder auf dem Weg zu einer Verabredung, während man das letzte Stück zu Fuß geht; gerne morgens auf dem Weg ins Büro, die paar Minuten, die ich eine Zigarette rauche und sich der Tag um einen herum versammelt wie eine Herde wenig freundlicher Tiere.
Der Auslöser ist innerlich stets mehr oder minder derselbe, wohingegen sich die Bilder sehr frei arrangieren. Erst letztes Wochenende zerschlägt mich der schief geklebte bunte Schriftzug eines China-Imbisses. Ein recht kleingestiger Anlass, etwas trostlos zu finden, er widerspricht einem konventionellen modus dolor. Aber genau hierin findet sich auch eine Erklärung. Die Erde scheint an so vielen Orten hindurch. Nicht nur Friedhöfen. Das Unaufhörliche, in das ein Mensch so gerne sein Zielloses gibt.

*) P.W. 1995

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