Murakami

Tatsächlich beginnt auch der Regen und mengt sich unter die Luft als mein Körper sich eine Qual überlegt, die er mir gegen die Strecke schicken will wie einen Fangschuss von jenseits der Böschung her; ich würde gerne denken, er lege sich wie die Füssli-Nachtmahr auf mich, aber leider brutalt er nur aus meinen Beinen wie ein Besoffener, der sich überall stößt, und über eine weite, eine sehr weite Strecke hin denke ich  — nichts………………………..

[Im Gegensatz zum Yoga, bei dem mich fast immer der Alltag, statt mich zu verlassen, als eine Meute Untoter verfolgt, während ich mich um eine Asana bemühe, mich immer noch einholt und zerlegt, frisst, mit meinen Knochen untereinander streitet, vergesse ich beim Laufen und der Anstrengung, die aus der Vergänglichkeit meines Körpers tritt, die Vergänglichkeit meines Körpers.]

Als ich durchs Ziel laufe und zum Stehen komme, kann ich kurz lächeln. Ein erster Juni regnet schwer weiter, jemand sagt über Lautsprecher durch, dass ich das Ziel passiert habe. Unmittelbar danach gewinnt mein Körper die Oberhand und bestraft mich für die letzten fast fünf Stunden Blödsinn. Es braucht eine Zeit, bis ich wieder gehen kann. Ein Mann verteilt Folie zum Wärmen. Ich nehme ein Stück und knote es mir wie ein Cape um die Schultern. Die Albernheit hat mich noch nicht verlassen. Ein Mann fotografiert mich und möchte wissen, ob der Regen gut oder schlecht für mich gewesen sei. Ich weiß nicht mehr, was ich antworte. Als ich den Kopf hebe, sehe ich eine riesige Schlange aus Menschen und Lametta sich aus dem Stadion in Richtung der Zelte bewegen.  Gegen Abend treffe ich mich mit meiner Begleitung in einem Restaurant. Ob es so etwas wie ein runner’s high für mich gäbe, fragt sie mich. Ich muss über die Frage eine Zeit nachdenken. Nein, gebe ich schließlich zu verstehen. Es ist noch nicht einmal das, was Murakami als runner’s blue bezeichnet hat. Es ist vielleicht einfach das Gefühl, welches mich seit Jahrzehnten beherrscht, wenn ich eine Hürde gemeistert habe: So fucking what?

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