Letzte Sätze

Kein Sterbenswörtchen./
Es herrscht große Unruhe./
Und selbst für einen noch so ehrlich interessierten Reporter vor Ort gibt es Fragen, die er seinen Mitmenschen nicht mehr zumuten sollte./
Und der Tod, den ich stets als die wichtigste Größe im Leben betrachtet hatte, dunkel, anziehend, war nicht mehr als ein Rohr, das platzt, ein Ast, der im Wind bricht, eine Jacke, die vom Kleiderbügel rutscht und zu Boden fällt./
Anders war Friede nicht herzustellen./
Und auch wenn ich durch meinen Trancezustand die große Talentshow und das Farewell Midnight Buffet verpasste sowie am Samstagmorgen das Anlegemanöver und das Abschiedsfoto mit Kapitän G. Panagiotakis, mein Wiedereintritt in das normale, selbstverantwortliche Landrattenleben ging weit unproblematischer vonstatten, als ich nach einer Woche reinen Nichtstuns befürchtet hatte./
Die Ausblendungen, die Überblendungen, die umgeschriebenen Szenen, all das, was man wegwischt – jetzt würde ich ihr das gern erklären, aber ich weiß, dass ich es nie tun werde, weil das Wichtigste dieses eine ist: Ich habe nie jemanden gemocht und ich habe Angst vor allen./
Nach einigen Schritten ging ich an die Ecke zurück, sah sie, ihre gehende Gestalt; sie drehte sich nicht um, sie blieb stehen, und es dauerte eine ganze Weile, bis sie die Straße überqueren konnte./
In den tiefen Bergschluchten, wo sie lebten, war alles älter als der Mensch und voller Geheimnis./
Denn erst jetzt ist sie – erst jetzt ist das Spiel – erst jetzt ist wirklich alles zu Ende./
Und seltsamer als alles ist es mir, wieder die Hand meiner Frau zu halten und zu denken, daß ich sie, wie sie mich, schon zu den Toten gerechnet hatte./
Ich wußte nichts, und so verharrte ich im unerschütterlichen Glauben, die Zeit der grausamen Wunder sei noch nicht um./
Er liebte den Großen Bruder./
Ich leugne nicht./
Da kann man nur hoffen, dass es kein Junge wird./
Mit meiner Handfläche schütze ich das Kap, bedecke die Bucht, spüre, wie trocken und kühl das Blau ist, stehe inmitten meiner papierenen Meere, allein mit allen Möglichkeiten einer Geschichte, ein Chronist, dem der Trost des Endes fehlt./
Sie war fünfundsiebzig Jahre alt, und sie würde einiges in ihrem Leben ändern./
Ich werde gehen, ohne ein Geräusch zu machen, und ich werde die Tür im Dunkeln öffnen und ich werde/
Und dann, von allen Blöcken und Steinen befreit, wird die ganze Welt leicht und leichter, beginnt aufzusteigen, immer höher, zieht ihm sachte die Schnur aus der Hand und treibt mit den Rauchwolken davon./
Die Zukunft ist dieser Berg./


Alle letzten Sätze in mehr oder minder chronologischer Reihenfolge zitiert.

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